Rückfall in alte Zeiten?
Winterwunderland draußen, heiße Hockey-Atmosphäre drinnen: Es waren die Bedingungen, die ein Bilderbuchspiel an einem Sonntagabend braucht. Der Haken an der Sache: Es war kein Bilderbuchspiel zwischen den Freiburger Wölfen und ihren Gästen aus Bremerhaven. Zumindest für die Hausherren nicht – sie verloren mit 2:5 und bleiben Schlusslicht der zweiten Liga.
Ein Rückfall in alte Zeiten? In den ersten drei Begegnungen nach dem Trainerwechsel von Peter Salmik zu Markus Berwanger hatten sich die Wölfe wie ausgewechselt präsentiert, mit Schwung und Präzision, mit einem starken Überzahlspiel, mit tollen Torhüterleistungen. Von all dem konnte gestern keine Rede mehr sein. Besonders die ersten beiden Drittel ließen viele Wünsche offen: Die Breisgauer liefen weder schnell noch viel. Sie verloren etliche Zweikämpfe. Ihr Passspiel war voller Fehler, im Powerplay harzte es. Keeper Ronny Glaser agierte längst nicht mehr so superb wie vor Wochenfrist in Schwenningen und selbst Preston Mizzi, das neue Aushängeschild in der Freiburger Offensive, verhedderte sich immer wieder in der Abwehr der Norddeutschen.
Schattenseiten eines Überraschungssieges?
Ist er also schon wieder verpufft, der Berwanger-Effekt? Solch eine Aussage wäre natürlich genauso unangebracht wie die Alles-wird-gut-Hymnen nach dem Wechsel an der Bande. Bloß: Die Wölfe müssen aufpassen, dass ihnen der jüngste Aufwärtstrend nicht zu Kopf steigt. Ein Auswärtscoup beim Tabellenführer, wie er den Freiburger am Freitag gelungen war, kann auch seine Schattenseiten haben. Die Konzentration und der Wille der zurückliegenden Partien waren gegen Bremerhaven jedenfalls nicht mehr oft zu spüren. Eishockey spielt sich auch im Kopf ab.
Das Publikum dagegen präsentierte sich auch gestern noch wie ausgewechselt, zumindest zwei Drittel lang. Nicht nur, dass nach dem überraschenden 4:3-Erfolg in München plötzlich wieder ansehnliche 1400 Zuschauer ins Stadion an der Ensisheimer Straße strömten; auch die Stimmung war eine andere, positivere. „Auf geht’s Freiburg, kämpfen und siegen“, forderten die Fans nach dem zweiten Bremerhavener Tor. Vor ein paar Wochen hätten sie noch anders reagiert, mit Pfiffen oder „Salmik raus“-Rufen. Und selbst nach dem 0:3 durch Ohmann hallte ein aufmunterndes „Wölfe geben niemals auf“ durch die Halle.
Bremerhaven: Starke Defense, starker Keeper
In der Tat: Ganz und gar aufgegeben haben sich die Wölfe nicht. Aber sie schafften es erst im Schlussdrittel, die defensivstarken Gäste mit ihrem lettischen Goalie Edgar Lusins so richtig in Bedrängnis zu bringen. Da aber war der Drops längst gelutscht, nicht zuletzt wegen des umstrittenen Tores zum 0:4, das unmittelbar vor oder unmittelbar nach Ablauf der Spielzeit im Mitteldrittel fiel (Berwanger plädierte auf Letzteres). Das war womöglich Pech für die Wölfe - doch ihr Pech war längst nicht so prägnant wie die eigenen Defizite.
Tore: 0:1 (8.) Schmidt (Baumgartner), 0:2 (14.) Janzen (Leinweber/Litesov), 0:3 (22.) Ohmann (Stanley/Baumgartner), 0:4 (40.) Mücke (Stanlay/Leinweber), 0:5 (47.) Leinweber (O’Brien), 1:5 (53.) Mizzi (Vozar/Corey), 2:5 (56.) Stas. Zuschauer: 1400. Schiedsrichter: Fröschle. Strafminuten: Freiburg 4, Bremerhaven 8.
von Karl Heidegger | 31. Januar 2010, 21:29 Uhr.
Kategorie: Wölfe-News | Kommentare: 2
Kommentare
Kommentar von Geronimo
1. Februar 2010, 10:51
Sehr guter u. zutreffender Bericht !
Kommentar von Zasius
1. Februar 2010, 10:54
sehr treffend analysiert, so habe ich es gestern auch gesehen!
Ich hatte das Gefühl, die Mannschaft ruht sich etwas auf den letzten drei Spielen aus. Kombiniert mit der Fehlentscheidung zum 0-4 und den schnellen Dritteltoren der Gäste, war nicht mehr viel zu holen.
Allerdings hat es auch gezeigt, dass ohne vollen Einsatz und Leidenschaft diese Saison nicht viel zu holen ist. Drei Spiele unter Berwanger sind um, Strohfeuer vorbei?
Das werden die nächsten Spiele zeigen, wobei ich da guter Hoffnung bin. In der PK bringt es B. ja auf den Punkt:Es gibt Spiele da geht einfach nix, Timing, PS usw. leider haben wir von solchen Spielen diese Saison schon genug gesehen….




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