Untersuchungskommission der Uniklinik Freiburg stellt Doping-Abschlussbericht vor

An der Uniklinik Freiburg ist heute der Abschlussbericht in Sachen Doping vorgestellt worden. Er belastet die früheren Fahrer des Radsportteams Telekom/T-Mobile, Andreas Klöden und Matthias Kessler, schwer. Die Badische Zeitung hat live von der Pressekonferenz (Pk) berichtet, die wir hier zum Nachlesen dokumentieren.

++14.32: Pk wird geschlossen++

++14.26: Die Daten wurden anonymisiert++
Wie Schäfer berichtet, wurden sämtliche Daten der Sportler anonymisiert. “Die Namen wurden abstrahiert, aber wir konnten die Proben den Teams zuordnen”, sagt Ulrich Schwabe, Mitglied der Untersuchungskommission. Er habe keinen Grund zu der Annahme, dass die Datensätze manipuliert worden seien. “T-Mobile war auffällig, aber nicht andere Gruppen, wie zum Beispiel Mountainbiker”, sagt Schäfer.

++14.12: Doping – wie künftig verhindern?++
“Den Radsport der Männer, werden wir nicht mehr betreuen – ganz einfach”, sagt Hans-Hermann Dickhuth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin. Dass dieser in die Doping-Praktiken eingeweiht gewesen ist, dafür gibt es laut Untersuchungskommission keine Hinweise. Dickhuth hatte 2002 die Abteilung von Josef Keul übernommen.

++14.09: Einflussnahme des Wissenschaftsministeriums?++
Auf die Frage, ob das Wissenschaftsministerium versucht habe, die PK zu verhindern, antwortet Schiewer: “Das Ministerium wurde über den Termin der Konferenz unterrichtet.” Eine Einflussnahme habe es nicht gegeben.

++13.57: Wer ahnte was?++
“Wir haben keine Beweise dafür, dass neben Schmid, Heinrich und Huber noch andere Ärzte in das Doping involviert waren”, sagt Schäfer. Der ein oder andere mag vielleicht etwas geahnt haben – mehr jedoch nicht. “Blutdoping fand immer sonntags statt. Da konnte man hier ohne Störung ans Werk gehen.”

++13.52: Entzug der Approbation?++
Holzgreve: “Man muss die strafrechtlichen Untersuchungen abwarten – aber der Entzug der Approbation ist sicher ein Thema”, sagt Holzgreve. “Ich halte es für dringend geboten, dies zu untersuchen. Aber es wäre sicher wünschenswert aufgrund der vorgestellten Ergebnisse”, sagt Schiewer.

++13.36: Eigenblutdoping von Klöden, Kessler und Sinkewitz in Freiburg++
Neben dem geständigen Fahrer Sinkewitz haben der Kommission zufolge auch Klöden und Kessler Eigenblutdoping in Freiburg betrieben. Klöden und Sinkewitz seien am 2. Juli 2006 im Auto von Sinkewitz’ Freundin von Straßburg nach Freiburg gefahren, sagt Schäfer. Sinkewitz habe das ausgesagt. “Es gibt keinen Grund, ihm in diesem Fall zu misstrauen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass das stimmt.”

Bei Sinkewitz sei es zu zwei schweren Zwischenfällen gekommen: Das Blut in zwei Blutbeuteln habe geklumpt. Danach sei er entlassen worden – ohne jede weitere ärztliche Überwachung. “Dabei handelt es sich um einen groben Verstoß gegen das Transfusionsgesetz”, sagt Schäfer. Sinkewitz sei nicht über die Risiken der Transfusion aufgeklärt worden. “Ich gehe davon aus, dass das den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt”, sagt Schäfer. Sowohl Heinrich als auch Schmid seien an jenem Tag in die Transfusion involviert gewesen.

++13.26 Uhr: Woher kam das Epo?++
Laut Schäfer hat die Untersuchung ergeben, dass von der Uniklinik oder der hauseigenen Apotheke kein Epo zum Zwecke des Doping verwendet wurde. Das könne man ausschließen. Aber: “Wir wissen bis heute nicht, woher das Epo kam”, sagt Schäfer. Man wisse nur, dass eine Apotheke aus Elzach Hauptlieferant von Medikamenten gewesen sei.

Schmid und Heinrich hätten die Sportler systematisch gedopt und sportlich betreut. Andere Ärzte hätten lediglich die Betreuung der Sportler übernommen. Das Problem bei der gesamten Untersuchung sei gewesen, dass viele Recherchen ins Leere liefen.

++13.23: “Zwischen 2001 und 2006 haben wir eine riesige Lücke”++
Erschwert wurde die Arbeit der Untersuchungskommission dadurch, dass man zunächst Probleme hatte, die Vorgänge zwischen 2001 und 2006 lückenlos aufzuklären. Laut Schäfer wurden nicht zuletzt dank der Unterstützung der Medien potentielle Zeugen aufgetan. “Durch sie wurde klar: Zwischen 2001 und 2006 wurde das systematische Doping perfektioniert”, sagt Schäfer.

++13.21: Zahlungen an weitere Ärzte?++
Ein Ergebnis des Kommissionsberichts ist, dass die maßgeblich für die Betreuung von Radsportlern verantwortlichen Ärzte ohne Kenntnis und Nebentätigskeitsgenehmigung der Uniklinik zusätzliche persönliche Einkünfte erzielten. Neben Schmid und Heimrich haben noch drei weitere Ärzte Zahlungen erhalten. Bei allen konnte aber eine dopingrelevante Verwicklung nach Ausschöpfung der vorhandenen Beweismittel nicht festgestellt werden. Sie haben sich inzwischen zur Erstattung der erlangten Beiträge verpflichtet.

++13.18: Systematisches Doping++
“Die Untersuchungen haben lange gedauert – aber was lange währt, wird endlich gut”, sagt Hans Joachim Schäfer, Leiter der Untersuchungskommission. Man habe im Laufe der Recherche festgestellt, dass in der Mannschaft Telekom/Team T-Mobile von 1995 bis 2006 systematisch durch die beiden Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid systematisch mit Eigenblut und Epo gedopt habe. Georg Huber räumte am 29. Mai 2007 bei einer Befragung durch den Klinikumsvorstand ein, in der Zeit von 1980 bis 1990 einzelnen U23-Straßenradfahrern Testosteron verabreicht zu haben.

++13.10 Uhr: Offener Umgang mit Datenmaterial++
Der Vorstandvorsitzende des Uniklinikums Wolfgang Holzgreve betont im Anschluss daran, dass man schnell gehandelt habe und sich dafür entschieden habe, die Ergebnisse der Presse offen zu präsentieren. Doping verstoße nicht nur gegen das Fairnessprinzip im Sport,sondern sei auch gesundheitsschädlich.

“Wir haben sämtliche Dokumente offengelegt”, sagt Holzgreve. Das Ziel: eine lückenlose Aufklärung. Man versuche durch strenge Regeln und Maßgaben eine Wiederholung solcher Vorgänge in Zukunft zu verhindern.

++13.00 Uhr: Eröffnung der PK++ Der Andrang der Presse ist groß. Zahlreiche Kameraleute und Journalisten verfolgen die Konferenz in der Uniklinik Freiburg. Die PK eröffnet Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er beleuchtet noch einmal das Zustandekommen der Untersuchungskommission.

Alexandra Sillgitt


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