Der Vatikan, himmlisch und banal. Teil 1: Die Vatikan-Apotheke
Wer einmal so weit in den Vatikan vordringen möchte, wie sonst nur die Mitarbeiter des kleinsten Staates der Welt, der muss nur krank werden: Denn wer dem streng und stolz guckenden Schweizer Gardisten an der “Porta Sant´Anna”, dem Haupteingang in den Vatikan, mit einem ärztlichen Rezept in der Hand entgegentritt, ernet ein “prego” und darf in die Richtung der vatikanischen Apotheke weitergehen. Mitten hindurch durch zweitausend Jahre Geschichte.
Die Vatikan-Apotheke ist bei den Römern aus rein weltlichen Gründen sehr beliebt: Die Medikamente sind a) vorrätig und b) wesentlich günstiger, als außerhalb der hohen Mauern. Noch viel wichtiger: Es macht schon was her, an den Schweizer Gardisten vorbeizuziehen, während sich hinter einem die japanischen, deutschen und amerikanischen Touristen die Hälse und Objektive verrenken, um durch die Porta Sant´Anna hindurch auch nur einen Hauch vom alltäglichen Treiben im Vatikan zu erwischen. Und wer weiß: Vielleicht wirken Medikamente in unmittelbarer Nähe von Seligen- und Heiligengräbern auch besser.
Doch die Schweizer Gardisten sind nicht die einzigen Ordnungshüter, die man auf dem Weg zum ersehnten Schnupfenmittel überwinden muss. Erst will noch die vatikanische Polizei den ausgefüllten Passierschein abstempeln. In einem kleinen Raum neben dem Wachhäuschen der Polizei (”Ufficio Permessi”) sammeln sich an diesem Morgen die kranken Sparfüchse Roms, die in der Vatikan-Apotheke Medikamente zum Schleuderpreis einkaufen wollen. Auf Hüfthöhe sind Pulte angebracht und Formulare in Plexiglashaltern warten darauf, mit Name, Geburtsdatum, Wohnort, Personalausweisnummer und Grund des Besuchs (”krank?!) ausgefüllt zu werden. Ein Beamtentyp der sich der mürrischen Stimmung nach in jeder Behörde jedes Staates der Welt sofort zu Hause fühlen würde, begutachtet das ausgefüllte Formular kritisch. “Das Rezept?”. “Hier”. Kritischer Blick. “In Ordnung”. Ein bierdeckelgroßer Zettel wandert über den Tisch: “Zugangsberechtigung zur Vatikanstadt für Herrn Martin Zöller, berechtigt, die Farmacia Vaticana aufzusuchen”. Ein roter Stempel, eine Untrerschrift. Der Polizist winkt durch. Puh. Ging ja.
In der Apotheke ist die Hölle los! Und das morgens, mitten unter der Woche! Gleich beim Eingang ist die Kosmetikabteilung, eine hübsche Verkäuferin berät gerade zwei sichtlich interessierte Kundinnen über eine neuartige Hautcreme. Staunend gehen andere Signore und Signori die Regale an der rechten Seite des Raumes entlang, nach dem Motto: Wenn man schon mal ein Rezept hat und in die Vatikan-Apotheke darf, dann wird auch sonst noch zugeschlagen! An den Schaltern stehen sanft lächelnde Nonnen genauso wie forsche “ragazzi”. Ein Dutzend Apotheker bedienen. In den Regalen: Zahnbürsten, Sonnencremes, Mückenschutz, Babynahrung. Babynahrung? Selbstverständlich nur für die unzähligen nicht-geistlichen Angestellten.
Am Schalter: Ich bekomme mein Medikament. Hätte mich gern noch länger umgesehen. Ein Andenken muss ich mir noch mitnehmen…hmm. Postkarten? Gibt´s hier nicht. Rosenkränze? Ach… Da! Eine schöne “Meridol”-Zahnbürste, die mir mein Münchner Zahnarzt immer ans Herz liegt! Hab ich noch nie gefunden in Rom. Na das ist doch was: Eine schöne, banale Zahnbürste mit “weichen Borsten” und “ergonomischem Griff” aus der Apotheke des Papstes!
Dann geht´s zurück: 50 Meter Fußweg mit Blick auf den Apostolischen Palast, dann links 50 Meter wieder zur “Porta Sant´Anna”, ein Gruß der Schweizer Gardisten. Und mit Zahnbürste und Medikament stehe ich wieder mitten im ganz normalen Rom. Doch was ist das? In der Hosentasche habe ich ja noch den “Zugangsausweis” mit dem roten Stempel! “Am Ausgang der Vatikanstadt abgeben”, steht unten. Wollte aber keiner haben. Auch ein schönes Souvenir.
am 22. April 2007 um 21:08 Uhr.
In der Tat kann man den Brüdern der “Fatebenefratelli” gut und günstig Medikamente einkaufen. Und das an 13 Schaltern. Es ist aber auch eine der besten Einkommensquellen des Vatikans. Wer ganz schlau ist und jemanden kennt, der die Einkaufskarte hat um in den vatikanischen Supermarkt zu gelangen, der erlebt ein Einkaufsparadies besonderer Art. Ein Bericht darüber findet sich auf http://www.kathmedia.com