Mitten aus dem Basler Fanblock
Ein Meer in Rot: Schweizer und Türken haben sich in Basel ein Gefecht der Emotionen geliefert - im Stadion und in der Stadt. Mitten drin beim Public Viewing: BZ-Mitarbeiter Michael Moser.
Tickets fürs Jockele gab es natürlich keine, doch ein bisschen Europameisterschaftsflair wollte ich schon noch mitbekommen. Da bot sich doch das Spiel Schweiz – Türkei gut an, um einmal mitten in das Fußballgeschehen einzutauchen.
Mein Ziel war also die Fan Zone um die Mittlere Rheinbrücke. Das Wetter schien zu halten – wie von Wetterguru Kachelmann in Aussicht gestellt. Und so schwangen sich meine Frau und ich am Mittwochabend um 19.30 Uhr aufs Velo Richtung Kleinhüningen.
Eigentlich hatten wir dort schon Halli Galli erwartet, schließlich waren in Basel 100.000 Besucher erwartetet worden. Aber die Straßen waren fast leer - vereinzelt ein hupendes Auto mit der portugiesischen Flagge zeigte uns, dass Portugal wohl sein Spiel gewonnen hatte.
Um 20 Uhr parkten wir unsere Velos vor dem Kasernenareal. Und dort war es dann schlagartig aus mit der Ruhe: Fußballfans wohin wir blickten. Oben auf der Mittleren Rheinbrücke wurde auf zwei Großbildschirmen das Spiel übertragen wurde - und prompt waren wir mitten drin.
Mit “Olé! Olé! Olé! Olé” und “Hopp Schwitz!” heizten unsere Schweizer Nachbarn die Stimmung in der Innenstadt ordentlich an und strömten an die Rheinufer beidseits der Brücke: rote T-Shirts, Hüte und Umhänge, rot gefärbte Haare und Perücken, Fahnen, Hupen und Gesänge - und überall das strahlend weiße Kreuz.
Doch - wo waren die türkischen Fans? Sie vermischten sich mit dem Rot der Schweizer, unterschieden sich allein durch den Halbmond vom Kreuz der Eidgenossen.
Durch das Klingental ließen wir uns zurück zum Kasernenareal treiben. Pünktlich um 20.45 Uhr wurde das Gejohle, Gehupe und Geschrei jäh unterbrochen: Aus den Kneipen und der Kaserne ertönte aus vielen tausend Kehlen der “Schwizer Psalm”.
Das Spiel begann und ein Gewitter zog auf.
Vor dem plötzlich einsetzenden Platzregen flüchteten wir in einen Hauseingang und warteten dort das Ende des Gewitters ab. Zahlreiche “Ohs” und “Ahs” gaben uns eine zumindest kleine Ahnung vom Spielverlauf. Dann: Jubelschreie und “Tor”-Gebrüll.
Wir nutzten eine kurze Regenpause, schwangen uns auf die Räder und radelten ins Trockene. Noch leicht durchnässt erlebte ich vor dem heimischen Fernseher den Rest des Spiels - erlebte die Niederlage der Schweizer und den Triumph der Türken.
Von unserem Mitarbeiter Michael Moser
von Badische Zeitung | 12. Juni 2008, 16:06 Uhr | Kommentare: 0 |
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