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Die Hagebutte – die Vitamin-C-Bombe

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Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm…” – wer kennt dieses Lied nicht. Die Beschreibung des Männleins passt eigentlich mehr zu einem Fliegenpilz. Der Dichter Hoffman von Fallersleben (1798-1874) hat jedoch mit den Versen eine rote Frucht beschrieben: die Hagebutte.

Ich habe in meinen Blogeinträgen stets die ganze Pflanze vorgestellt – bei der Hagebutte wäre das die Rose. Ihr soll jedoch zu einem späteren Zeitpunkt ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Die schönen roten Früchte, die auch noch bei Frost faszinieren, stammen von der Hundsrose (Rosa canina, Rosengewächse = Rosaceae) und sind eigentlich Scheinfrüchte. Nach der Blüte entstehen aus dem Fruchtknoten die harten kleinen Nüsschen, die der weiter wachsende Blütenbecher umschließt.

Volksnamen
Hägen, Hiefe, Hiften, Rosenäpfel, Hetschhiven, Hetscherl, Hetschepetsche usw. Der Name Hagebutte soll sich von Hag, Gebüsch, und Butten oder Butzen für ein Gefäß oder Klumpen ableiten.

Vorkommen
Europa, Asien, Nordafrika, Südamerika

Fruchtreife
Juni bis Oktober

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Geschichte und Aberglaube
In Gräbern der Frühzeit fanden sich Reste von Hagebutten (z.B. bei den Pfahlbauten am Bodensee). Der griechische Arzt Dioskurides (1.Jh.) empfahl die Früchte bei Darmkatarrh. Der deutsche Botaniker und Arzt Hieronymus Bock (1498-1554) beschrieb die stopfende Wirkung. Der italienische Arzt Mattioli (1501-1577) verwendte die Kerne gegen Steinleiden.
Ein Blutstropfen in einer hohlen Hagebutte verschlossen und in einen Baum verbohrt, soll von Gicht befreien. Eine Paste aus den Kernen bereitet, soll gegen Ruhr, Gonorrhoe und dem “Schluchzen und Unwillen des Magens” helfen. Gezuckertes Hagebuttenmark (Hägemark) soll verhindern, “dass die bösen Dünste aus dem Magen ins Haupt steigen”.
Viele Hagebutten verhießen volle Getreidescheunen, aber einen strengen Winter.
Nicht weitersagen, aber als Schüler haben wir dem vor uns sitzenden Kameraden die behaarten Kernchen in den Nacken gestreut – was zu unangenehmen Juckreiz führte.

Inhaltstoffe
Vitamin C, Zucker, organische Säuren, Pektine, Gerbstoffe, Carotinoide, Flavanoide, Galaktolipid

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Anwendung
Als Tee:
2-2,5 g zerkleinerte Hagebuttenschalen mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 10-15 Minuten ziehen lassen.

Fitnesstee:
Eine Mischung aus 20g Hagebuttenfrüchten, 20g Johanniskraut, 10g Rosmarinblättern, 20g Eisenkraut und 20g Pfefferminzblättern wird gerne als Fitnesstee getrunken.

Öl:
Aus den Nüsschen kann ein Öl gewonnen werden, das zur Hautpflege genutzt wird.

Wirkung
Wegen ihres hohen Vitamin C-Gehaltes sind Hagebutten als Erkältungsschutz beliebt. Die Früchte mit den Nüsschen oder die Nüsschen allein (im Alemannischen als Kernlestee bezeichnet, im Handel finden Sie sie als Hagebuttensamen), haben eine harntreibende Wirkung. Neuere Studien belegen der Hagebutte einen positiven Effekt bei Arthrose.
Der Wirkstoff Galaktolipid hemmt die entzündliche und gewebsschädigende Funktion der Leukozyten, also der weißen Blutkörperchen, und führt damit zu Schmerzreduktion. Entsprechende Zubereitungen aus Hagebuttenpulver sind im Handel erhältlich.

Lagerung
Frisch geerntete Hagebutten können mit oder ohne Nüsschen (Kerne) bei 40 Grad getrocknet und aufbewahrt werden.

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Kulinarische Zubereitungen
Hagebuttenmarmelade:
Frische Früchte von Stielen befreien, ca. 30 Minuten kochen, durch ein Sieb passieren, damit die Nüsschen hängen bleiben; eventuell mit Honig süßen, noch heiß in ausgespülte Gläser füllen und kühl aufbewahren. Die Marmelade ist auch unter dem Namen “Hegenmus” oder “Hägemus” bekannt. Die Marmelade kann auch 1:1 mit Gelierzucker vier Minuten aufgekocht und mit Sternanis, Vanille, Ingwer oder Fruchtzusätzen wie Äpfel, Zitronen oder Orangen aromatisiert hergestellt werden.

Hagebuttenlikör:
250 g frische, halbierte und von den Nüsschen befreite Hagebutten in eine Flasche mit einer angeritzten Vanilleschote, etwas Kardamom, 150g Kandiszucker geben und mit 700ml Korn übergießen, drei Monate stehen lassen und öfters mal schütteln. Danach durch ein Sieb abgießen.

Hagebuttenwein:
lässt sich durch Weinzusatz oder Vergären lassen mit Weinhefe herstellen.

Hagebuttenkonfekt:
Hagebuttenmark durch ein Sieb streichen, mit einem Drittel der Menge Zucker aufkochen.8 Esslöffel davon mischt man mit je 6 Esslöffeln feinen Haferflocken und gemahlenen Walnüssen, formt die Masse zu Kugeln und wälzt sie in Rohrzucker.

Ich freue mich, wenn noch weitere interessante Rezepte mit Hagebutten im Chat mitgeteilt werden.



Kommentare

Kommentar von Labrune
am 17. November 2009 um 14:12

Hagebuttenwein – französisches Rezept
1 kg zerstampfte Hagebutten, 4 Tage gären lassen, dann

3 Liter abgekochtes Wasser
1,5 kg Zucker dazugeben und noch 6 Monate in einer großen Flaschen, mit Tuch geschlossen, an einem warmen Platz gären lassen.
Zu der ganzen Menge 15 cl Obstwasser hinzugeben, um den Gärungsprozess zu stoppen, dann in Flaschen abfüllen.
Schmeckt in etwa wie Portwein. Man kann natürlich auch mehr Obstwasser hinzugeben, ist aber nicht unbedingt besser.
Prosit !

Kommentar von labrune
am 18. November 2009 um 21:38

Ach ja, wenn man Marmelade machen will kann man die Hagebutten vorher 1-2 Tage in etwas Weisswein marinieren, dabei oft umrühren, dann ungef. 20 Min kochen und anschliessend durch ein Sieb treiben. 750 g Zucker pro kg Saft, etwa 15 Minuten kochen und dann in Gläser abf^¨ullen.

Kommentar von Hiepe
am 23. November 2009 um 11:49

Besten Dank fuer die Rezepte:ich werde sie gelegentlich erproben.
Frank Hiepe

Kommentar von tamsulosin
am 15. Dezember 2009 um 00:38

wow