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Schon kleine Kinder kennen und lieben das Gänseblümchen

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Das Gänseblümchen ist nicht nur schön anzusehen – es sollte auch in keiner Hausapotheke fehlen. Und: in der Küche. BZ-Pflanzenexperte Frank Hiepe zeigt, was Sie mit dem Gänseblümchen alles machen können – von der Tinktur über den Tee hin zu Kapernersatz und Suppe.

Gänseblümchen (Bellis perennis)

Pflanzenfamilie
Korbblütler(Asteraceae)

Volksnamen
Angerbleamerl, Augenblümchen, Himmelsblume, Maiblume, Marienblümchen, Maßliebchen, Mondscheinblume, Morgenblume, Osterblume, Regenblume, Sonnenblümchen, Tausendschön.
Der botanische Name kommt von bellis, was soviel wie schön bedeutet, und perennis (ganzjährig)

Vorkommen
Mitteleuropa und Nordamerika. Vor allem auf Rasenflächen findet man das Gänseblümchen. Durch Verunreinigung von Grassamen verbreitet sich die Pflanze und weitere Arten dieser Gattung weltweit.

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Blütezeit
März bis Oktober

Geschichte und Aberglaube
Der Blütenkopf dreht sich nach der Sonne und schließt sich bei Regen. Daraus rühren Volksnamen
wie Morgenblume, Regenblume oder auch Sonnenblümchen.
Die Bezeichnung Maßliebchen ist ab dem 14. Jahrhundert als Maßleben, Maßlieben, Maßlieblin belegt und wahrscheinlich vom mittelniederländischen “Matelieve” ins Deutsche entlehnt.
Wahrscheinlich keltischen Ursprungs ist der Glaube, der Genuss der kleinen Pflanze hemme das Wachstum. Eine irische Sage erzählt von der Fee Milka, die dem Kind des Königs heimlich 2Gänseblümchenspeise2 zu essen gibt, damit es nie erwachsen wird. Noch heute gibt es auf den britischen Inseln und bei spanischen Zigeunern den Brauch, jungen Welpen Gänseblümchen zu fressen zu geben, damit sie nicht groß werden.

König Ludwig IX. von Frankreich hat das Gänseblümchen zusammen mit der Lilie in sein Wappen aufgenommen.
Besonders gefällt mir folgender Aberglaube: Wer die drei ersten Gänseblümchen im Frühjahr isst, wird das restliche Jahr von Zahnschmerzen, Augenleiden und Fieber verschont. Und wer getrocknete Gänseblümchen bei sich trägt, die am Johannistag mittags zwischen 12 und 13 Uhr gepflückt wurden, dem geht keine wichtige Arbeit schief.
Übrigens: Wenn man mit einem Fuß sieben Gänseblümchen abdecken kann, ist der Frühling da.
Früher wurde das Gänseblümchen auch als Orakel verwendet, indem die einzelnen Blütenblätter einer Blüte nach dem Abzählreim “Er liebt mich, er liebt mich nicht, liebt mich…” abgezupft wurden – und: Wer von uns hat das noch nicht getan?

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Inhaltstoffe
Triterpensaponine, Flavonoide, Polyine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleim, Spuren ätherischen Öles

Anwendung innerlich
Traditionell werden die oberirdischen Teile der Pflanze als Tee bei Hauterkrankungen, Rheuma, Leberleiden eingesetzt. Beliebt ist eine Frühjahrskur zur Entschlackung.

Teezubereitung
Ein bis zwei Teelöffel frischen oder getrockneten Krautes mit 150 ml kochenden Wassers übergies-
sen, zehn Minuten ziehen lassen.Dann abgießen und täglich ein bis drei Tassen möglichst sechs
Wochen lang trinken.

Anwendung äußerlich
Zur Linderung von Schwellungen,Prellungen,Verstauchungen

Tinkturzubereitung
Die ganze Pflanze einschließlich der Wurzel in ein verschließbares Glas geben; dann mit Weingeist übergießen und im verschlossenen Glas zwei bis sechs Wochen lang ziehen lassen. Anschließend abgießen und in einer dunklen Flache aufbewahren.

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Homöopathie
Bellis perennis innerlich als D3-D6 bei Beschwerden der Haut, des Stütz- und Bewegungsapparates äußerlich die Urtinktur bei Verletzungen des Bewegungsapparates

Verwendung als Nahrungsmittel
Die frischen Blüten sind besonders lecker im Salat. Mein Tipp: Am besten schmecken die jungen Blättchen aus dem Inneren der Rosette. Die Knospe und die nur halb geöffneten Blüten haben einen angenehm nussigen Geschmack.

Sauer eingelegt werden Knospen manchmal als Kapernersatz verwendet.

Gänseblümchensuppe:
Zutaten für 4 Personen:
1 Schalotte, 60g Butter, 1 Esslöffel Mehl, 0,3 l Gemüsebrühe, 1/8 l Sahne, 10 Esslöffel frische Gänseblümchen, 1 Esslöffel Creme fraiche

Zubereitung:
20g Butter erhitzen, das Mehl darin anschwitzen und mit der gewürzten Brühe angießen. Das ganze 10 Minuten durchkochen und Sahne dazugeben.Die frisch gepflückten Gänseblümchen ohne Stiele mit der fein gewürfelten Schalotte in Butter anschwenken und im Mixer pürieren. Das ausgekochte Süppchen dazugeben und alles zusammen mit Creme fraiche und 40 g kalten Butterwürfeln sämig aufmixen. Alles in eine Topf mit etwas geschlagener Sahne kurz aufwallen lassen und in Tellern anrichten und mit frischen Blütenblättern garnieren.



Kommentare

Kommentar von Manfred G. Raupp
am 9. Oktober 2009 um 09:43

Lieber Frank,
wir finden es toll, dass Du Dein vielfältiges Wissen über die Pflanzen unserer Region auch in diesem Medium zu Verfügung stellst. Nach unserer Meinung der richtige Weg, sowohl den Erwachsenen Wissen zu vermitteln, als auch die Jugend an die Natur heranzuführen.
Herzliche Grüße von Manfred & Dorothee Raupp