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Die Goldrute lässt den Harn fließen

Goldrute-Neophyt
(Blütenstand eines Neophyten der Goldrute)
Sie ist mehr als nur eine Gartenpflanze, schon Martin Luther soll die Goldrute als Heilpflanze verwendet haben. Jetzt steht sie in voller Pracht: Also Blüten gezupft und getrocknet. Alles weitere erklärt BZ-Pflanzenexperte Frank Hiepe.

Die Goldrute (Solidago virgaurea)

Pflanzenfamilie
Korbblütler(Asteraceae). Zu der Gattung Solidago gehören etwa 100 Arten. Arzneilich haben bei uns jedoch neben der Echten Goldrute (Solidago virgaurea) die Riesengoldrute (Solidago gigantea) und der Neophyt – also eine eingeschleppte Pflanze – Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) Bedeutung.

Volksnamen
Goldwundkraut, Heidnisch Wundkraut, Schoßkraut, Waldkraut, St.Peters, Stabkraut, Peterstab, Ochsenkraut, Bettstroh, Machtheilkraut, Goldene Jungfrau, Edelwundkraut u.a.

Vorkommen
Echte Goldrute: Magerrasen, Staudenfluren, lichte Wälder in Europa, Nordafrika, Westasien;
Riesengoldrute: an feuchteren Stellen, sie wurde ursprünglich als Zierpflanze angebaut;
Kanadische Goldrute: Brachland, Schuttplätze, Ufer, Auwälder in Mittel- und Osteuropa. Die ursprüngliche Heimat ist Nordamerika.

Blütezeit
Juli bis Oktober

Geschichte und Aberglaube
Im Mittelalter erlangte die Goldrute eine gewisse Bedeutung als Wundkraut. Martin Luther soll die Pflanze als Heilmittel gebraucht haben. Im 19. Jahrhundert erkannte der berühmte deutsche Arzt Rademacher die wassertreibende Wirkung der Goldrute.
In der Volksheilkunde ist sie bei Rheumatismus, Venenerkrankungen und chronischen Hauterkrankungen als so genanntes Blutreinigungsmittel gebräuchlich.
Auch als Wundheilmittel wurden Auszüge der Pflanze früher verwendet. Frische gequetschte Blätter wurden bei eiternden Wunden oder Zahnfleischgeschwüren aufgelegt. Pfarrer Johann Künzle setzte eine Salbe aus Goldrutenauszügen und Schweineschmalz ein.
In England und in den USA werden Goldruten als Gartenpflanzen angebaut. Die Goldrute ist die Nationalblume der US-Bundesstaates Nebraska und Kentucky.
Die Kanadische Goldrute ist bei uns und in der Schweiz eher unbeliebt, da sie als Neophyt die heimischen Pflanzenarten zu bedrängen droht.
Aus Stängeln und Blättern kann ein goldener bis braunroter Farbstoff gewonnen werden.

Inhaltstoffe
Triterpen-Saponine, Flavonoide, Phenolglykoside wie Leiocarposid und Virgaureosid, ätherisches Öl

Anwendung
Von allen drei Arten werden die oberirdischen Teile arzneilich verwendet und zwar in getrockneter Form. In der Homöopathie spielen die frischen Blütenteile der Echten Goldrute eine Rolle. Sie werden zu Tee oder alkoholischem Auszug zur unterstützenden Behandlung bei Blasen- und Nierenentzündung eingesetzt.
Die Goldruten haben eine harntreibende, schwach krampflösende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung. Ich empfehle die Goldrute vor allem zur Durchspülungstherapie
bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege, bei Harnsteinen und Nierengriess und zur Vorbeugung derselben.

goldrute3

Zubereitungen
Tee:
Bei mir hat sich folgende Zuberitung bewährt: 1-2 Teelöffel getrocknetes Goldrutenkraut mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, nach 15 Minuten abseihen und 2-4 mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Mein Tipp: Der Teeaufguss kann auch zu Spülungen des Mund-und Rachenraumes verwendet werden.

Tropfen:
Neigen Sie zu übermäßiger Schweißbildung? Dann kann ich Ihnen folgendes Rezept nur empfehlen: Ein alkoholischer Auszug aus 10g Goldrutenkraut, 20g Salbeiblättern, 20g Ysopkraut, 20g Herzgespannkraut, 10g Hopfenzapfen und 10g Zinnkraut mit 500ml 50% Alkohol ansetzen. Nehmen Sie drei bis viermal täglich 15-25 Tropfen mit etwas Wasser verdünnt vor dem Essen ein.
Die Goldrutenzubereitungen sind als freiverkäufliche Arzneimittel in den Apotheken erhältlich.

Homöopathie
Solidago virgaurea als D2-D6 bei Harnwegserkrankungen

Verträglichkeit
Von der Goldrute sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Haben Sie Fragen an Frank Hiepe? Kein Problem: Nutzen Sie dafür die Kommentarfunktion am Ende des Artikels. Er beantwortet Ihnen gerne alle Fragen. Gibt es zudem eine Pflanze, die Sie gerne einmal besprochen haben möchten? Machen Sie Vorschläge!



Kommentare

Kommentar von knöpfle
am 2. September 2009 um 10:53

Hallo,
es hat sich in Ihren Bildern ein Fehler eingeschlichen. Das Bild Goldrute2 zeigt keine Goldrute, sondern eine Königskerze.
mfg M. Knöpfle

Kommentar von Badische Zeitung
am 2. September 2009 um 13:24

Hallo! Danke für den Hinweis! Der Fehler ist behoben. mfg die Redaktion

Kommentar von Dr. Eva Bischoff-Corvinus
am 4. September 2009 um 11:14

Hallo zusammen,

der Fehler ist noch lange nicht behoben. Das Bild zeit den Blütenstand einer Solidago canadensis = Kanadische Goldrute, die zu den Neophyten zählt (ähnlich dem Indischen Springkraut). Sie ist im besten Fall pharmakologisch wirkungslos! In Zeiten der sehr gefährlichen Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Jakobskreuzkraut sollten solche Tipps und Bilder mit besonderer Vorsicht veröffentlicht werden.

Kommentar von Badische Zeitung
am 4. September 2009 um 11:57

Liebe Frau Bischoff-Corvinus,
wenn Sie mit der Maus über das Bild fahren, taucht ein Texthinweis auf, der die Pflanze als Neophyt kennzeichnet. Dass dieser keinerlei pharmakologische Wirkung hat, ist im Text vermerkt und ein Link liefert nähere Informationen. Allerdings hätte direkt unter dem Bild noch einmal separat darauf hingewiesen werden sollen, dass es sich um ein Neophyt handelt. Dies wird nachgeholt. Besten Dank! Die Redaktion

Kommentar von Teres Zaunig
am 11. September 2009 um 10:39

Hallo,
ich würde gern wissen, die (wie oben erwähnt) wirkungslose Form der Goldrute von der wirksamen entscheiden kann? Gibt es spezielle Merkmale?
Liebe Grüße

Kommentar von Frank Hiepe
am 11. September 2009 um 18:38

Nach dem Europäischen Arzneibuch(PH.Eur)5.Ausgabe,2.Nachtrag,das auch für Deutschland Gültigkeit hat,haben die Kanadische Goldrute und die Riesengold-
rute dieselben Anwendungsgebiete wie
die heimische “Echte Goldrute”(Solidago
virgaurea)