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Johanniskraut – dem Teufel ein Dorn im Auge

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Sonnenbrand, Verbrennungen, Depressionen: Die heilende Wirkung des Johanniskraut war schon in der Antike bekannt. Als Wundkraut gepriesen, soll sogar der Teufel die Pflanze attackiert haben. Was wirklich hinter ihrer Heilkraft steckt, verrät BZ-Kräuterexperte Frank Hiepe.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Zur Abwechslung vorneweg eine kleine Geschichte: Der Teufel soll mit einer Nadel die Blätter des Johanniskraut einst durchstochen haben, weil ihm die Heilkraft und die Verehrung der Pflanze ein Dorn im Auge war. Doch die Blätter überstanden die Attacke. Hält man aber heute ein Blatt gegen das Licht, sieht man kleine helle und dunkle Punkte, die den Anschein erwecken, als seien kleine Löcher in das Blatt gebohrt – daher auch der lateinische Nahme perforatum l. (durchgebohrt). Auch die botanische Bezeichnung “Hypericum” – vom griechischen “hyper ikon”, was so viel bedeutet wie über dem Bild oder Altar – deutet auf die frühe Bedeutung und Verehrung der Heilpflanze hin.

Pflanzenfamilie
Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). Es gibt vier Variationen: schmalblättriges, breitblättriges, kleinblättriges und gewöhnliches Echtes Johanniskraut. Echtes Johanniskraut ist erkennbar an den Tüpfeln in den Blättern. Mein Tipp: Zierjohanniskräuter haben keine Pünktchen.

Volksnamen
Hartheu (aber Achtung: die harten Stengel sind nicht als Viehfutter geeignet!), Tüpfelhartheu, Tüpfel, Jesuswundenkraut, Blutkraut, Johannisblut, Wundkraut, Liebfrauenbettstroh, Dunderblume, Teufelsflucht, Jesuswundenkraut, Sonnenwendkraut, Walpurgiskraut, Tausendlöcherkraut und viele, viele mehr.

Vorkommen
Wegränder, Gebüsche, in Magerwiesen in Europa und Asien

Blütezeit
Juni bis Oktober

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Geschichte und Aberglaube
Wie ich schon oben beschrieben habe, kannten schon die Ärzte der Antike die Heilwirkung. Im Mittelalter wurde die Pflanze bei inneren Eiterungen und Lungenerkrankungen und als Wundkraut gepriesen. “Es ist nicht möglich, dass eine bessere Arznei für Wunden in allen Ländern gefunden wird”, schrieb Paracelsus.
Johanniskraut ist Bestandteil von Kräuterbüscheln, die an Mariae Himmelfahrt (15. August) geflochten werden. Unter das Dach gesteckt soll Johanniskraut vor Blitzschlag schützen. Außerdem schlägt es der Volkssage zufolge den Teufel in die Flucht. Der Name Johannis rührt daher, dass Kräuter, die an Johanni (24. Juni) gepflückt werden, eine besondere Heilkraft haben sollen.

Inhaltstoffe
In Blüten und Blättern: Hypericine, Pseudohypericin, Flavonoide und das antibiotisch wirksame Hyperforin.

Anwendung innerlich:
…als Tee, Tropfen, Pflanzensaft, Kapseln, Dragees bei Depressionen, Angst, nervöser Unruhe, Schlaf- und anderen neurovegetativen Störungen. Die Wirkung tritt erst nach einigen Tagen ein.

Anwendung äußerlich:
…als Öl oder Salbe bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Wunden, Hauterkrankungen und rheumatischen Schmerzen.

Verträglichkeit
In höheren Dosen wirkt Johanniskraut phototoxisch. Das bedeutet, dass helhäutige Menschen schneller Sonnenbrand bekommen können.
Da die Wirkstoffe des Johanniskrautes bestimmte Leberenzyme anregen, können in höheren Dosierungen Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimitteln auftreten – vor allem Frauen, die die Pille nehmen, müssen aufpassen! Sie sollten daher den Arzt oder Apotheker bei höher dosierten Arzneimitteln nach eventuellen Wechselwirkungen fragen.
Johaniskrautpräparate mit der Indikation Mittelschwere Depression unterliegen in Deutschland seit dem 1.04.2009 der Verschreibungspflicht.

Zubereitung als Tee:
1-2 Teelöffel getrocknetes Johanniskraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 Minuten abseihen; morgens und abends eine Tasse trinken. Gute Erfahrungen habe ich mit einer Mischung von je 20 g Johanniskraut, Baldrianwurzel, Passionsblumen, Melissenblättern und
Pfefferminzblättern gemacht. Hiervon 2 Teelöffel mit 150 ml heißem Wasser übergießen, bedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und morgens und abends eine Tasse bei nervösen Störungen trinken.

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Zubereitung als Öl:
Frische oder an der Luft getrocknete Johanniskrautblüten und Blätter in einer weithalsigen hellen Glasflasche mit Sonnenblumenöl übergießen und an einen sonnigen Platz stellen. Je nach Sonneneinwirkung bleibt die Flasche 3-6 Wochen stehen, bis sich das Öl rötlich färbt. Dann müssen sie die Mischung durch ein sauberes Leinentuch filtern und abpressen. Das Öl sollten sie in dunklen Flaschen kühl aufbewahren.

Homöopathie
Hypericum wird in niederen Potenzen (D4-D6) bei Nervenschmerzen infolge von Verletzungen angewendet.



Kommentare

Kommentar von joy driessen
am 7. August 2009 um 22:46

Hallo, ein sehr schönenr Bericht von Johanneskraut.
Ich hätte da noch ein paar Fragen.
Wie lange ist das Öl haltbar?
Wie kann ich es in der Küche anwenden?

Kommentar von Frank Hiepe
am 8. August 2009 um 17:53

Hallo joy driessen,wenn das Johanniskrautöl in einer dunklen Flasche,verschlossen und kühl aufbewahrt wird,hält es etwa 1 Jahr.
Zum Kochen ist Johanniskrautöl nicht geeignet.Es kann eingenommen werden und hilft bei Verbrennungen z.B.in der Küche.

Kommentar von Hempel, Arnd
am 11. August 2009 um 21:59

sehr schön, Dein Bericht lieber Frank. Worauf beruht eigentlich die Wirkung von Johanniskraut und gibt es dazu neue Forschungsergebnisse.

Kommentar von Frank Hiepe
am 18. August 2009 um 14:03

Hallo Arnd,über Dein Interesse an meinem Blog habe ich mich sehr gefreut.
Die Wirkung des Hauptwirkstoffes Hyperforin erhöht durch eine Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin deren Konzentration an den Synapsen.Auch die Konzentration von Gammaaminobuttersäure(GABA),Dopamin und L-Glutamat steigt an.Dies sind bekannte Wirkmechanismen synthetischer Antidepressiva.
Für die entünungshemmende Wirkungauf der Haut sind Hypericin und andere Bestandteile des Johanniskrautes verantwortlich.
Mit freundlichem Gruß
Frank

Kommentar von Mattern, Margit
am 21. August 2009 um 07:04

Ich habe in einer Apotheke Johanniskraut in getrockneter Form gekauft, um “Rotöl” zu gewinnen. Habe auch vorschriftsmäßig 6 Wochen lang das Öl, das voll in der Sonne stand, bewegt. Das Öl färbte sich allerdings nicht rot. Ich möchte es äußerlich anwenden bei Hautirritationen oder Neuralgien. Hat das denn überhaupt die Wirkstoffe, weil es sich nicht rot gefärbt hat? Kann ich es auch bei Zahnfleischentzündungen einsetzen?

Kommentar von Frank Hiepe
am 24. August 2009 um 12:46

Hallo Margit Mattern,die rote Farbe kommt vorwiegend aus den frischen Blüten,die man zur Zeit in der Natur noch finden kann.Die entzündungshemmenden Wirkstoffe(v.a.Hypericin)werden aber auch aus der getrockneten Pflanze mit dem Öl gelöst und Sie können es für die erwähnten Zwecke verwenden.Aber-wie ich im Blog geschrieben habe-das Öl jetzt in einer dunklen Flasche und kühl aufbewahren