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Die Linde – „Am Brunnen vor dem Tore“

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Sie ist der wohl bekannteste deutsche Baum – neben der Eiche. Die Linde ist vielseitig einsetzbar, besonders ihre Blüten. BZ-Pflanzenexperte Frank Hiepe verrät alles über Aberglaube und Wirkung, Volksname und Zubereitung.

Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und Winterlinde (Tilia cordata)

Pflanzenfamilie:
Die Lindengewächse (Tilioideae) sind eine Gattung innerhalb der Pflanzenfamilie der Malvengewächse. Die Gattung umfasst etwa 40 Arten.

Volksnamen:
Schmeerlinde, Linn, Lönn, Leng, Lingeboom, Hartlinde, Bastholz, Augustuslinde. Kennen Sie noch weitere Volksnamen? Dann schreiben Sie sie doch in die Kommentarfunktion unten!

Vorkommen:
Gemäßigte bis subtropische Gebiete. 19 Arten kommen in China vor.

Blütezeit:
Juni bis Juli

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Geschichte und Aberglauben:
Die Linde gilt gemeinhin als Baum der germanischen Göttin Freya. Die Dorflinde stand und steht meistens im Zentrum eines Ortes. Unter ihr wurde das Dorfgericht abgehalten (Gerichtslinde) und manchmal auch ein Verbrecher an ihr aufgehenkt. Nach Kriegen gab es den Brauch, Friedenslinden zu pflanzen. Die Linde ist Symbolbaum des sorbischen und tschechischen Volkes.
Der Name “Linde” ist wahrscheinlich auf das weiche, biegsame Holz zurückzuführen. Viele Orts-, Familien- und Gasthausnamen leiten sich von der Linde ab.
Was ich nie getan habe, was mir aber besonders gefällt: In früheren Zeiten pflanzte ein frischgebackener Vater einen Lindenbaum. Unter der Linde wurde gesungen, getrunken und getanzt. Zum Vortanzen waren allerdings nur jungfräuliche Mädchen zugelassen. Wen ein sozusagen “gefallenes” Mädchen die Dorflinde mit ihrem Tanz entehrte, musste die Linde gescheuert, das heißt der Rasen um sie aufgegraben werden.
Sind Sie gestresst? Dann sollten Sie folgendes versuchen: Unruhige und gehetzte Menschen berichten von der beruhigenden Wirkung der Linde, wenn sie unter dem Baum sitzen oder liegen.
Die Blätter wurden gegen Mundfäule verwendet. Früher setzte man Lindenholzkohle bei Koliken, blutigem Husten und Epilepsie ein. Sie wird auch heute noch bei Magenverstimmung und Darmkatarrhen infolge von Vergiftungen angewendet.
Das Lindenholz ist sehr weich, weswegen Schnitzer sie gerne für Masken im alemannischen Bereich oder für Altäre(Veit Stoß, Tilman Riemenschneider u.a.) verwendeten.
Bei Imkern sind die Blüten als Honigquelle sehr geschätzt.

Sommer- und Winterlinde:
Die arzneiliche Bedeutung der Blüten wurde erst später erkannt. Verwendet werden die Blüten sowohl von der Sommer- wie der Winterlinde mit dem goldgelben, pergamentartigen Hochblatt.
Der Blütenstand der Sommerlinde ist meist 2-5 blütig, der der Winterlinde 4-12 blütig. Beide duften angenehm.
Mein Tip: Zu unterscheiden sind Sommerlinden von Winterlinden auch durch die Blattform: Die Blätter der Sommerlinde sind größer, oberseits locker behaart, auf der Unterseite mit weißlichen Bärten in den Nervenwinkeln. Die Blätter der Winterlinde sind schief herzförmig, gesägt, oberseits matt dunkelgrün und kahl, an der Unterseite bläulichgrün, in den Nervenwinkeln braunbärtig.

Inhaltsstoffe der Blüten:
Flavonoide (Rutin, Hyperosid, Quercitrin), ätherisches Öl mit Farnesol, Geraniol, Eugenol, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Chlorogensäure.

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Hilft bei Erkältungen: Lindenblütentee

Innere Anwendung:
Als Teeaufguss verwende ich die getrockneten Blüten bei Husten, Katarrhen der Atemwege, Erkältungskrankheiten, bei denen eine Schwitzkur angebracht ist.
Teezubereitung: 1-2 Teelöffel getrocknete Blüten mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, nach 5 Minuten abseihen und mehrmals täglich 1-2 Tassen trinken.
Wie ich in all den Jahren festgestellt habe sind auch Mischungen mit Holunderblüten und Weidenrinde (je 20g) sinnvoll. Oder anstelle von Weidenrinde Mädesüßblüten oder Thymian.
Ein beliebter Hustentee besteht aus je gleichen Teilen Lindenblüten, Wollblumen, Isländisch Moos,
Spitzwegerich, Salbei und gestoßenen Fenchelfrüchten. 2 Teelöffel mit 150 ml heißem Wasser
übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und drei- bis viermal täglich eine Tasse davon trinken.

Äußere Anwendung:
Lindenblütenaufgüsse empfehle sich als Mund- und Gurgelwasser bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich.

Nebenwirkungen:
Die Lindenblüten sind gut verträglich. Ich habe da keinerlei negativen Erfahrungen gemacht.

Homöopathie:
Tilia wird aus frischen Blüten hergestellt und bei Infekten mit vermehrter Schweißbildung und Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane eingesetzt.



Kommentare

Kommentar von pflanzenfreund
am 15. Juli 2009 um 16:39

Wer des Rumänischen mächtig ist, kann sich mal wieder den schönen alten Sommerhit “Dragostea din tei” anhören, bei dem die Liebe unterm Lindenbaum auf herzerwärmende Art und Weise besungen wird.

Kommentar von Frank Hiepe
am 16. Juli 2009 um 19:50

Vielen Dank für den Hinweis.Ich bin des Rumänischen leider nicht mächtig,mache jedoch Ende August eine Studienreise durch Rumänien,vielleicht kann dort mir das Lied vorsingen lassen.

Kommentar von josie
am 4. November 2009 um 15:47

es ist ma ganz etwas anderes. Bisher hab ich nur andere seiten gefunden wo es ganz anders drin steht. Stimmt das eigendlich alles??
Trotzdem supi supi supi!!!
josie

Kommentar von josie
am 4. November 2009 um 15:48

rumänisch!!!!
danke
noch mals
josie