Herzlich Willkommen bei “Achtung Pflanze!”

Die Welt ist eine große Freilandapotheke, begeistert sich BZ-Kräuterexperte Frank Hiepe. In seinem neuen Blog “Achtung Pflanze!” stellt er zweimal im Monat regionale Kräuter und Unkräuter vor, deren Nutzen für Hausapotheke und Kochtopf. Die Premierenfolge befasst sich mit der Ringelblume, der Heilpflanze des Jahres.
Zum Start der Kolumne haben wir Frank Hiepe in seiner Heimat Zell im Wiesental besucht.
Gebannt blickt die Gruppe auf das kleine grasgrüne Rund, das sich um den Laternenmast windet. Löwenzahn und Spitzwegerich haben sich ihren Platz darauf erkämpft, strahlend gelbe und weiße Punkte inmitten der dunkelgrauen Asphaltwüste. Ein Mann mit schlohweißem Haar beugt sich tief zu der kleinen Oase herab, streicht sanft über die Blütenblätter.
Mit sonorer Stimme erklärt Frank Hiepe seinen Zuhörern die heilsame Wirkung der Kräuterfundstücke und sofort wird klar: Keiner redet so leidenschaftlich von den harntreibenden und blutbildenden Eigenschaften des Löwenzahns. Niemandem vermag die hustenlindernde Wirkung des Spitzwegerichs ein solch strahlendes Lächeln auf das Gesicht zu zaubern wie bei dem 69-Jährigen. Keine Frage: Hiepe ist mehr als ein Kräuterexperte. Er ist ein wandelndes Lexikon. Die lateinischen Namen der Pflanzen kann er aus dem Effeff, ihre Heilwirkung kennt er nicht nur – er hat sie allesamt erforscht und erprobt.
“Egal ob der Grünstreifen an einem Parkplatz oder eine offene Wiese – die Welt ist eine riesige Freilandapotheke“, begeistert sich Hiepe. Seit rund neun Jahren führt der ehemalige Apotheker aus Zell im Wiesental Pflanzenfans durch die Natur; empfiehlt den Rotklee gegen Beschwerden in den Wechseljahren, warnt aber gleichzeitig davor, sich allzu unbedacht in der kostenlosen Kräuterapotheke zu bedienen. “Manch Pflanze hilft und heilt nur bis zu einer bestimmten Dosis. Alles darüber hinaus, kann lebensgefährlich enden”, betont Hiepe.
Die Begeisterung für Pflanzen und den Kräften, die in ihren Blättern, Blüten und Wurzeln stecken, liegt bei Hiepe in der Familie. In den 20er-Jahren entwickelte sein Großvater Eduard zusammen mit dem Zeller Pfarrer Hurt den Bronchial-Sirup Tannenblut. Auf der Basis von Kandiszucker und dunklem Schwarzwälder Tannenhonig mixten sie verschiedene Heilpflanzen der Region mit maigrünen Tannenspitzen zusammen. Die Mixtur sollte den Arbeitern der nahe gelegenen Textilfabrik helfen, die wegen Baumwollstaubs an Atemwegsbeschwerden litten – mit Erfolg. Schnell wurde Tannenblut über die Grenzen des Schwarzwalds hinaus bekannt.
1936 erwarb der Kaufmann Anton Hübner die Rechte an dem Kräuter-Sirup und gründete in Ehrenkirchen eine Firma. Jahre später heuerte Hiepe bei dem Unternehmen an und untersuchte pflanzliche Wirkstoffe als Grundlage für Medikamente. Später übernahm er die Apotheke des Vaters im Wiesental, mixte in der dortigen Kräuterküche Tees gegen Schlafstörungen und Salben gegen Entzündungen. Doch egal ob als Apotheker hinter dem Tresen oder als Führer durch die Welt der Kräuter im Wiesental – eines wird Hiepe niemals müde zu betonen: “Bis zu einem gewissen Punkt kann eine Heilpflanze sinnvoll sein. Dann aber ist der Arzt gefragt.”
4. Mai 2009 | von Badische Zeitung
Kommentare: 7


Kommentar von Caroline
am 4. Mai 2009 um 17:46
Toll!
Ich koennte nicht mehr zustimmen und freue mich auf die kommenden Artikel.