Als Unkraut verschmäht: der Löwenzahn

Viele Menschen gehen achtlos an ihm vorbei – ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen: der Löwenzahn. Doch das Kraut taugt mehr als nur zum Hasenfutter. BZ-Kräuterexperte Frank Hiepe erläutert die heilende Wirkung des Löwenzahns und verrät einige spannende Rezepte.
Der Löwenzahn (Taraxacum officinale):
Dabei handelt es sich um eine Milchsaft führende, formenreiche Artengruppe. Die Blätter sind meist tief eingeschnitten und sägeförmig. Der Blütenstand besteht aus gelben Zungenblüten. Der botanische Name ist vermutlich dem arabischen Wort altaraxacon entlehnt. Das bedeutet bitteres Kraut. Allerdings halte ich auch eine andere Entlehnung möglich: Der Milchsaft des Löwenzahns wird auch bei Augenleiden verwendet. Taraxis bedeutet auf Griechisch Augenentzündung und akeomai – ich heile
Pflanzenfamilie:
Korbblütler(Asteraceae/Compositae)
Volksnamen:
Im deutschen Sprachbereich soll es etwa 500 verschiedene Namen für den Löwenzahn geben. Hier eine kleine Auswahl: Butterblume, Kuhblume, Pusteblume, Röhrlichrut, Krottenblume, Sunnewirbel, Bettseicherle(wegen der harntreibenden Wirkung – auf französisch klingt es vornehmer: Pisenlit), Saudätsch, Lichtli, Hundeblume, Morestude, Milchstock
Wo findet man den Löwenzahn?
Auf Wiesen, Wegrändern, Äckern weltweit.
Blütezeit:
April bis Juli
Geschichte und Aberglaube:
Die Heilpflanze wurde schon von arabischen Ärzten als stoffwechselanregendes und entwässerndes Heilmittel im Mittelalter angewandt. Zu Hieronymus Bocks (1498-1554) Zeiten verwendeten Frauen es als Wasser zur Schönheitspflege und um Sommersprossen zu beseitigen. Wegen seiner gelben Farbe wurde er nach der Signaturenlehre bei Gelbsucht verwendet. Getrocknete Blätter um den Hals gehängt, sollten von Zahnschmerzen befreien – ob das funktioniert hat? Besonders spannend finde ich, dass die Wurzel früher getrocknet und geröstet als Kaffeeersatz diente. Und: Wenn man sich mit Löwenzahn den Körper einrieb, erfüllte sich nach altem Hexenglauben jeder Wunsch. Die Indianer Nordamerikas rauchten die getrockneten Blätter bei ihren schamanischen Ritualen. Junge Mädchen orakelten aus der Anzahl der noch verbleibenden Früchte nach dem Wegpusten der Fruchtschirmchen, wie lange sie noch bis zur Hochzeit warten mussten. Löwenzahnmilch soll Warzen zum Verschwinden bringen, wenn sie am dritten Tag bei abnehmendem Mond auf diese gestrichen wird. Der Milchsaft wurde auch zu Kautschuckersatz verarbeitet. Löwenzahn ist eine wichtige Bienenweide im Frühjahr. Und was mir besonders gefällt: Dürer hat den Löwenzahn in seinem Bild „Das große Rasenstück“ dargestellt. Der Löwenzahn in der Kunst.
Inhaltstoffe:
Kraut und Wurzel: Bitterstoffe (Taraxinsäureglykosid), Carotinoide, Triterpene,
Flavanoide, Kalium.
Innere Anwendung:
Ich empfehle Löwenzahn-Tee, -Tinktur, -Pflanzensaft bei Appetitmangel, Störungen im Bereich des
Galleflusses, Blähungen und zur Anregung der Harnausscheidung. Besonders gut für das Frühjahr: Die frischen Blätter eignen sich als Salat oder als Pflanzensaft für eine Entschlackungskur. Besonders wichtig: Die Blätter sollten vor der Blüte verwendet werden. Ich bereite mir Löwenzahn-Tee immer wie folgt zu: 1-2 Teelöffel getrocknete Blätter oder Wurzeln mit 150 ml Wasser kurz aufkochen, nach 15 Minuten abseien – fertig! Jeweils morgens und abends eine Tasse davon trinken. Blätter und Wurzeln können auch gemischt werden. Bei Arthritis mische ich die Löwenzahnwurzel zu gleichen Teilen mit Birkenblätter, Brennesselblätter, Wiesengeißbart und Teufelskrallenwurzel. Zubereitung wie oben, jedoch nur 1 Teelöffel für eine Tasse. Bei Gallebeschwerden mischt man 10g Kümmel, 20g Javanische Gelbwurz, 30g Löwenzahnwurzel, 20g Mariendistelfrüchte und 20g Pfefferminzblätter. Zubereitung wie oben mit 1 Teelöffel der Mischung. 3mal täglich eine Tasse ½ Stunde vor den Mahlzeiten trinken. In der Homöopathie wird Taraxacum off. bei Leberleiden eingesetzt.
Verträglichkeit:
Ich warne vor dem Verzehr größerer Mengen – denn das kann wegen des Bitterstoffgehaltes zu Magen-Darmbeschwerden führen (siehe auch Giftinformationszentrale Bonn).
REZEPTE:
Löwenzahnhonig:
300g Blütenköpfe in 1l Wasser kalt ansetzen, langsam zum Kochen bringen, sieden und aufwallen lassen, Topf vom Herd nehmen, über Nacht abgedeckt stehen lassen, durch ein Leinentuch abgießen und abpressen, in die klare Lösung 1 kg Zucker und eine kleine geschälte und in Stücken geschnittene Zitrone geben, zum Kochen bringen und bis zur Honigkonsistenz eindampfen. Abkühlen, die Zitronenreste herausnehmen. Der Löwenzahnhonig eignet sich bei Rheuma und Gicht.
Löwenzahnschnaps:
Wurzeln bürsten, fein schneiden, in ein großes Einmachglas füllen und
mit Hefeschnaps bedecken,3 Monate an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung
stellen, ab und zu das Glas schütteln und dann durch ein Leinentuch abseihen und zu einem Liter Filtrat nochmals 1,5 l. Hefeschnaps geben. 1 Gläschen nach dem Essen fördert die Verdauung.
Löwenzahnsüppchen:
Zutaten für 4 Personen:1 Schalotte,60g Butter,1 Eßlöffel Mehl,0,3 l
Gemüsebrühe(am besten vom Spargel),1/8l Sahne,10 Esslöffel Löwenzahnblüten (ohne
Stengel),1 Esslöffel Creme fraiche. Zubereitung:20g Butter erhitzen, das Mehl darin anschwitzen und mit der gewürzten Brühe angiessen,10 Minuten durchkochen, die Löwenzahnblüten mit der fein gewürfelten Schalotte in Butter anschwenken und im Mixer pürieren. Das ausgekochte Süppchen dazugeben und alles zusammen mit Creme fraiche und 40g kalten Butterwürfeln sämig aufmixen. Das Ganze in einem Topf mit etwas geschlagener Sahne kurz aufwallen lassen, in Tellern servieren und mit frischen Löwenzahnblüten garnieren. An Stelle von Löwenzahnblüten können auch Gänseblümchen verwendet werden. Im Saarland kennt man einen Bettsächersalat: Löwenzahn, harte Eier und Speckwürfel – lecker!.
Kennen Sie auch noch spannende Rezepte mit Löwenzahn? Verraten Sie sie uns doch in den Kommentaren!
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14. Mai 2009 | von Frank Hiepe
Kommentare: 6




Kommentar von FeevomSee
am 15. Mai 2009 um 16:22
Schön! Löwenzahnhonig ist etwas sehr leckeres. Aber ich kenne den Namen “Sunnewirbele” für eine andere Pflanze, nämlich Feldsalat. Ist vor allem am Kaiserstuhl gebräuchlich.